Über mich & Veröffentlichungen
Wer bin ich?
Wer bin ich?
Ich wurde 1973 in Ostdeutschland geboren. Meine jungen wilden Jahre verbrachte ich in einer Zeit des großen Wandels zwischen Ost- und Westdeutschland – einer Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung, die meinen weiteren Lebensweg geprägt hat. Nach einer Ausbildung zum Tischler arbeitete ich zunächst in diesem Beruf, bevor ich später Ingenieurwesen studierte und anschließend als Bauingenieur tätig war.
... Stillstand ist keine Option
Ich hatte schon immer einen unruhigen Geist, der auf der Suche nach seiner eigenen Identität war. Deshalb ist mein Leben von vielen Neuanfängen geprägt. Ich zog häufig um, wechselte Wohnorte, Freundeskreise, Beziehungen und Lebenskonzepte. Immer wieder folgte ich einem inneren Impuls, weiterzugehen, obwohl ich nicht wusste, wohin dieser Weg führen würde.
Ohne es zu wissen, spielten meine ausgeprägte Empathie und Hypersensitivität eine wichtige Rolle in der Art und Weise, wie ich mich selbst und das Leben um mich herum wahrnahm. Lange Zeit war mir nicht bewusst, welchen Einfluss sie auf meine Entscheidungen hatten.
So probierte ich unterschiedliche Lebenskonzepte aus und beschäftigte mich mit verschiedenen spirituellen Ansätzen, die mir wichtige Impulse gaben. In dieser Zeit absolvierte ich neben meiner Tätigkeit als Bauingenieur eine Ausbildung zum Yogalehrer in den französischen Alpen. Yoga eröffnete mir neue Perspektiven für mein Leben.
Dennoch blieben essenzielle Fragen für mich bestehen: Wer bin ich? Was kann ich besonders gut? Was macht mir wirklich Freude? Und wie kann ich das zu meinem Beruf machen und möglichst viele Menschen damit berühren?
... 10.000 Kilometer zwischen gestern und morgen
Schließlich führte mich mein Weg nach La Réunion – eine große Veränderung. Ohne Französisch zu sprechen und ohne zu wissen, wohin mich dieser Weg führen würde, gab ich meinen gut bezahlten Beruf als Bauingenieur auf und ließ viele soziale Bindungen hinter mir, weil ich spürte, dass dieser Schritt für meine Zukunft von großer Bedeutung sein würde. Der Impuls, diesen Weg zu gehen, war stärker als alle Bedenken und Ängste in mir.
Nach meiner Ankunft auf La Réunion begann ich Yoga zu unterrichten und lernte autodidakt Gong zu spielen, um die Teilnehmer meiner Kurse während einer kurzen Entspannungsphase mit den Klängen des Gongs zu begleiten.
Bereits vor meiner Auswanderung nach La Réunion hatte ich erste Erfahrungen mit Gong-Sessions gemacht. Ich war tief beeindruckt vom Potenzial dieses Instruments und von der Wirkung, die seine Klänge auf mich hatten.
... 30 Minuten, die alles veränderten
Während einer dieser Entspannungsphasen in meinen Kursen machte ich eine Erfahrung, die meinen weiteren Weg entscheidend prägen sollte. Was als zehnminütige Klangbegleitung gedacht war, entwickelte sich für mich zu einer fast halbstündigen schöpferischen Versenkung. Ich verlor mich vollständig in dem kreativen Prozess, entdeckte neue Klänge und folgte intuitiv dem, was in diesem Moment entstehen wollte. Erst als dieser kreative Impuls nachließ, wurde mir bewusst, wie viel Zeit vergangen war.
Die Teilnehmer des Yogakurses wiederum beschrieben mir diese dreißig Minuten als eine außergewöhnlich tiefe Erfahrung.
... die Geburt einer Vision
Da wurde mir klar, dass ich, indem ich mich vollständig in dem kreativen Prozess verloren hatte, meinen persönlichen Ausdruck gefunden hatte. Und durch diesen authentischen Ausdruck konnte ich Menschen tief berühren.
Aus dieser Erkenntnis formten sich langsam Antworten auf die Fragen, die mich über viele Jahre begleitet hatten. Ich verstand, dass ich mit der Kunst des Gongspielens Menschen auf eine Weise erreichen konnte, die meiner Wahrnehmung und meiner Sensibilität entsprach.
In den folgenden Jahren der Erforschung der Kunst des Gongspielens erkannte ich auch, dass immer dann, wenn ich versuchte, etwas zu erzwingen oder anders zu spielen, als es meinem kreativen Impuls entsprach, die Klänge an Tiefe und Wirkung verloren.
Aus all diesen Erfahrungen und Erkenntnissen entstand die Vision, die Kunst des Gongspielens zu meinem Beruf zu machen.
...der Preis der Freiheit
Diese Vision hatte jedoch einen Preis. Es folgten Jahre von finanzieller Unsicherheit und persönlichen Verlusten. Besonders nach dem Tod meiner Mutter musste ich noch einmal viel emotionalen und materiellen Ballast loslassen und mein Leben neu ordnen. Oft wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte.
Ich reduzierte meine Ansprüche immer weiter, bis hin zu einer längeren Zeit, in der ich in meinem Auto lebte und mich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielt. Gleichzeitig hatte ich den unbedingten Willen, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Denn alles, was mit Gong, Klang und kreativem Ausdruck zu tun hatte, erfüllte mich und entfachte meine Leidenschaft immer wieder neu.
Rückblickend war diese Zeit nicht nur von Verzicht geprägt, sondern auch von einer großen Freiheit, die ich bis heute in mir trage. Denn wer nichts mehr hat, ist auch an nichts mehr gebunden.
Genau in dieser unsicheren Phase meines Lebens fand ich die innere Stabilität, die ich so lange im Außen gesucht hatte.
... aus einer Vision wurde eine Gemeinschaft
In dieser Zeit erhielt ich auch die ersten Anfragen von Menschen, die von mir das Gongspielen lernen wollten. Was dann als Weitergabe meiner eigenen Erfahrungen begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu meinem heutigen Ausbildungsformat.
Aus Einzelausbildungen wurden Gruppenausbildungen. Aus den Ausbildungsgruppen entstand eine Gemeinschaft von Gongspielern. Diese Gemeinschaft entwickelte einen eigenen Stil des Gongspielens, in dem sich das Leben auf La Réunion widerspiegelt.
Mit dieser Gemeinschaft initiierte ich einen Verein, der die Zusammenarbeit in kreativen Projekten langfristig fördert. Dazu gehören unter anderem Konzerte, internationale Austauschprojekte und wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Gong-Sessions.
... mehr als ein Geräusch in den Ohren
Eine besondere Bedeutung hat für mich die Arbeit mit Menschen mit körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen. Die Klangreisen, die ich für sie gestalten darf, lassen mich immer wieder demütig staunen und dankbar dazulernen.
Sie zeigen mir, dass Klang weit mehr ist als harmonische Geräusche in unseren Ohren. Er kann Menschen dort erreichen, wo Worte ihre Wirkung verloren haben. Er kann Ruhe schenken, wo die Reizkulisse der Welt nur mit Ohrschützern erträglich ist. Und er kann sinnliche Erfahrungen ermöglichen, wo der Körper in seiner Bewegungslosigkeit gefangen ist.
Diese Erfahrungen bestärken mich in meiner Überzeugung, dass der Gong selbst nur eine Metallscheibe ist – er ist weder heilig noch heilend oder gar magisch. Erst der Mensch vor dem Gong und die Menschen hinter dem Gong verleihen dem Klang Bedeutung. Sie geben dem Klangpotenzial des Gongs einen Sinn und machen daraus eine Erfahrung, die verbindet und inspiriert.
An dieser Stelle fällt es mir schwer, einen Schlusssatz zu schreiben. Vielleicht deshalb, weil ich nicht das Gefühl habe, dass hier etwas endet. Das Leben geht weiter, und mit ihm die Begegnungen, Erfahrungen und Geschichten, die uns prägen.
Deshalb möchte ich meinen Lebenslauf lieber mit einem Gedanken von Rainer Maria Rilke für die Zukunft öffnen:
« Und nun glaube an eine Liebe, die für dich wie ein Erbe aufbewahrt wird, und habe das Vertrauen, dass in dieser Liebe eine Kraft und ein Segen liegt. »
— Rainer Maria Rilke
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